Das Geheimnis des Gruselfingers

350 Jahre alte Kriminalakte aus dem Gutsarchiv der Familie Schulenburg in Angern.

Wernigerode (Sachsen-Anhalt) – Akten sieht Staatsminister Rainer Robra (65, CDU) jeden Tag. Aber so eine kam ihm noch nie unter. In der Landesarchiv-Außenstelle Wernigerode zeigte Dr. Jörg Brückner (50) dem Minister das schaurige Stück. Die Akte mit der Signatur H13, 127 enthält neben Papier einen mumifizierten Finger.

von: UWE FREITAG veröffentlicht -Bild am 25.07.2017 - 23:59 Uhr

Der Daumen war vor fast 350 Jahren Beweisstück in einem Gerichtsprozess. Er hing, verpackt in einem Beutel, am Arm eines Vieh-Diebs, als dieser festgenommen wurde.

Für Staatsminister Rainer Robra wurde eine fast 350 Jahre alte Grusel-Akte geöffnet; Foto: Siegbert Heiland

„Wie der Vieh-Dieb in den Besitz des Fingers kam, steht in der Akte“, erzählt Jörg Brückner. Der Ganove hatte ihn von der Leiche eines anderen Diebes abgeschnitten, der für seine Taten gerädert worden war.

Die fast 350 Jahre alte Gerichtsakte gelangte über mehrere Umwege ins Landesarchiv Sachsen-Anhalt; Foto: Peter Gercke

„Eine damals übliche, sehr grausame Tötungsmethode.“ Der Dieb hatte gehofft, der Daumen-Talisman bringe Glück und schütze vor Strafe.

Als Beweisstück kam der Finger nach dem Prozess zu den Akten des Patrimonialgerichts Angern. Das wiederum war Teil des Gutsarchivs der Grafenfamilie von der Schulenburg, dessen Bestände heute im Landesarchiv Sachsen-Anhalt liegen.

Archivleiter Dr. Jörg Brückner holt die Grusel-Akte aus seinem Archiv; Foto: Peter Gercke

„Bei fachgerechter Lagerung wird er weitere Jahrhunderte problemlos überdauern“, versichert Jörg Brückner. Und noch etwas verrät der Leiter der Außenstelle Wernigerode: „Auch die Standorte Magdeburg, Dessau und Merseburg bergen manche Überraschung.“

Quelle: Bild Zeitung vom 25.07.2017 - 23:59 Uhr

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