1750: Soziale Struktur des Dorfes Angern
Um 1750 zählte das Dorf Angern insgesamt 108 Feuerstellen, darunter Wohnhäuser, Altenteilswohnungen und Wirtschaftsgebäude (Gutsarchiv Angern, Rep. H 444). Die Dorfbevölkerung war sozial deutlich gegliedert. Neben einem größeren Ackermann bestanden 16 Halbspännerstellen, 20 große und 11 kleine Kossatenstellen sowie 20 Häusler- beziehungsweise Büdnerstellen. Die verschiedenen Bevölkerungsgruppen waren in unterschiedlichem Umfang zu Abgaben und Dienstleistungen gegenüber der Gutsherrschaft verpflichtet.
Die landwirtschaftliche Nutzfläche umfasste die Güter des Hauses Angern sowie die bäuerlichen Wirtschaftsflächen des Dorfes. Die Böden galten überwiegend als mittlerer bis geringer Qualität. Neben Ackerland und Wiesen werden auch gemeinschaftlich genutzte Holzungen sowie ein etwa einen Morgen großer Maulbeergarten erwähnt, der auf Sonderkulturen innerhalb der Gutswirtschaft hinweist.
Bemerkenswert ist die Vielzahl der im Dorf vertretenen Handwerke. Insgesamt werden 39 Handwerker genannt, darunter Zimmerleute, Leinweber, Schuster, Maurer, Schmiede, Sattler, ein Chirurg, ein Schlösser, ein Pottaschebrenner und ein Scharfrichter. Drei Mahlmühlen und zwei Ölmühlen ergänzten die wirtschaftliche Infrastruktur. Diese Vielfalt zeigt, dass Angern im 18. Jahrhundert nicht nur ein landwirtschaftlich geprägtes Dorf, sondern zugleich ein lokales Versorgungszentrum für die Umgebung war.
Die überlieferten Bevölkerungszahlen der Jahre 1770 bis 1780 weisen mit 375 Geburten und 373 Sterbefällen auf eine weitgehend stabile Bevölkerungsentwicklung hin. Trotz wiederkehrender Krankheiten und begrenzter medizinischer Möglichkeiten blieb die Einwohnerzahl damit über längere Zeit relativ konstant.
Die Quelle vermittelt ein anschauliches Bild Angerns in der Mitte des 18. Jahrhunderts. Dorf, Gut und Handwerk bildeten eine eng miteinander verflochtene Gemeinschaft, deren wirtschaftliches und gesellschaftliches Leben maßgeblich durch Landwirtschaft, lokale Gewerbe und die Gutsherrschaft geprägt wurde.