Burg Angern
Die um 1341 gegründete Burg Angern bewahrt in seltener Geschlossenheit die originale Bau-, Erschließungs- und Verteidigungsstruktur einer hochmittelalterlichen Wasserburg.

Kuno Wilhelm Christoph Daniel Graf von der Schulenburg (* 1923 in Magdeburg, † 1987 in Frankfurt am Main) war ein deutscher Jurist und Mitglied der XXI. Generation der Familie von der Schulenburg. Kuno Wilhelm wurde als einziger Sohn von Sigurd-Wilhelm Graf von der Schulenburg geboren.1

Ausbildung und Karriere

Kuno besuchte das Gymnasium in Stendal sowie die Klosterschule Roßleben.2 Nach dem Kriegseinsatz von 1942 bis 1945 und der Vertreibung seiner Familie aus Angern im Zuge der Bodenreform im Januar 1946 absolvierte er 1948 in Lemgo/Lippe das Abitur.3

  • Bis 1953 war er auf verschiedenen land- und forstwirtschaftlichen Betrieben als Eleve und Verwalter tätig.4
  • Er studierte Rechtswissenschaften an der Universität Göttingen, wo er Mitglied des Corps Saxonia war.5
  • 1958 wurde er Referendar und legte 1964 das Assessorexamen ab. Während dieser Zeit war er unter anderem beim Amtsgericht Osterode/Harz, bei der Staatsanwaltschaft Augsburg sowie bei der Regierung Hannover tätig.6
  • Im November 1965 trat er in den Staatsdienst beim Bundesamt für Ernährung und Forstwirtschaft in Frankfurt am Main ein. 1968 wurde er zum Regierungsrat, 1971 zum Oberregierungsrat und später zum leitenden Regierungsdirektor befördert.7
  • Seit 1971 war er beim Bundesausgleichsamt in Bad Homburg vor der Höhe tätig.8
Kuno Wilhelm Christoph Daniel Graf von der Schulenburg
Abb. 1: Kuno Wilhelm Christoph Daniel Graf von der Schulenburg.

Nachkriegszeit

Kuno befand sich bis Ende September 1945 in Kriegsgefangenschaft beziehungsweise außerhalb der sowjetischen Besatzungszone.9 Seine Rückkehr wurde von der Familie mit Sorge erwartet. Am 24. August 1945 konnte er telefonisch Kontakt aufnehmen und kündigte seine baldige Heimkehr an. Am 27. August feierte die Familie seinen 22. Geburtstag in seiner Abwesenheit. Kurz darauf traf Kuno in Angern ein. Er war körperlich unversehrt geblieben und unterstützte seinen Vater in den folgenden Wochen in allen Bereichen des Betriebs.10

Am 10. Oktober 1945, dem Tag der offiziellen Enteignung des Gutes Angern durch die sowjetisch gestützte Verwaltung der Provinz Sachsen, befand sich Kuno gemeinsam mit seinem Vater in Stendal. Die Verkündung der Enteignung durch kommunistische Funktionäre erfolgte während ihrer Abwesenheit, was im Tagebuch dokumentiert wird. Die Familie durfte „vorläufig als Gäste“ im Schloss verbleiben.11

Aus dem Tagebuch Sigurd-Wilhelms von der Schulenburg: „Am 10. Oktober – dem Tag, an dem man uns feierlich und mit eisiger Miene verkündete, dass wir ‚enteignet‘ seien und ‚keinerlei Anrechte mehr‘ hätten – war es Kuno, der an meiner Seite war. Gemeinsam waren wir an diesem Tag in Stendal, um Zigarren bei einem Kameraden abzuholen – eine letzte kleine Geste eines verlorenen Herrenstandes. Dass wir genau in diesem Moment nicht zu Hause waren, schien wie ein symbolischer Abschied von einer Welt, die unwiederbringlich verloren ging.“12

Geschwister

Sigrid, die ältere Schwester, wird in späteren Aufzeichnungen (ab 1950) als gesundheitlich schwer beeinträchtigt beschrieben. Sie befand sich zu diesem Zeitpunkt in Düsseldorf in stationärer Behandlung aufgrund einer Nervenlähmung der Beine infolge einer Erkrankung des Tiefengefühls. 1945 lebte sie im Elternhaus in Angern und war in Alltagsaufgaben eingebunden.13

Irmintraut, die jüngere Schwester, war 1945 aktiv im Haushalt und landwirtschaftlichen Betrieb involviert. Sie begleitete ihren Vater regelmäßig zu kirchlichen Veranstaltungen, bei der Traubenernte sowie bei Verwaltungsangelegenheiten im Dorf. Später war sie maßgeblich an der Übertragung des Tagebuchs ihres Vaters aus der Handschrift beteiligt.14

Privatleben

  • 1971 errichtete er ein Wohnhaus in Karben-Petterweil (Hessen), wo er mit seiner Familie lebte.15
  • Er war mit Jutta von François verheiratet, der Tochter des Majors a. D. und Diplom-Chemikers Dr. phil. Götz von François und Erika, geborene Schliffer.16
  • Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor: Alexander Friedrich Christoph II. (*4.8.1968) und Isabella Marie Luise von Bentivegni (*2.3.1974).17

Letzte Jahre

Kuno Wilhelm Christoph Daniel Graf von der Schulenburg starb am 18. Juli 1987 im Alter von 63 Jahren in Frankfurt am Main. Die Wiedervereinigung Deutschlands und die Rückkehr seines Sohnes Alexander in die alte Heimat Angern erlebte er nicht mehr.18

Fußnoten

  1. Vgl. familiengeschichtliche Angaben in: Dietrich Werner Graf von der Schulenburg / Hans Wätjen, Geschichte des Geschlechts von der Schulenburg (1237–1983), Wolfsburg 1984.
  2. Vgl. ebd.; zur Schulbildung außerdem die einschlägigen biographischen Angaben in genealogischen Handbüchern der Familie.
  3. Vgl. ebd.; zur Vertreibung im Kontext der Bodenreform siehe außerdem familieninterne Aufzeichnungen und zeitgenössische Zeugnisse.
  4. Vgl. Dietrich Werner Graf von der Schulenburg / Hans Wätjen, Geschichte des Geschlechts von der Schulenburg (1237–1983), Wolfsburg 1984.
  5. Zur Zugehörigkeit zum Corps Saxonia vgl. Wolfgang von der Groeben, Verzeichnis der Mitglieder des Corps Saxonia zu Göttingen 1844 bis 2006, Düsseldorf 2006.
  6. Vgl. familienbiographische Angaben bei Dietrich Werner Graf von der Schulenburg / Hans Wätjen, Geschichte des Geschlechts von der Schulenburg (1237–1983), Wolfsburg 1984.
  7. Vgl. ebd.
  8. Vgl. ebd.
  9. Vgl. die Tagebuchaufzeichnungen Sigurd-Wilhelms von der Schulenburg für das Jahr 1945.
  10. Vgl. ebd.
  11. Vgl. ebd.; zur Enteignung außerdem die Überlieferung zur Bodenreform im Umfeld des Guts Angern.
  12. Zitiert nach den Tagebuchaufzeichnungen Sigurd-Wilhelms von der Schulenburg, Eintrag zum 10. Oktober 1945.
  13. Vgl. spätere familieninterne Aufzeichnungen und die Überlieferung zu den Kindern Sigurd-Wilhelms von der Schulenburg.
  14. Vgl. ebd.
  15. Vgl. familiengeschichtliche Angaben in: Dietrich Werner Graf von der Schulenburg / Hans Wätjen, Geschichte des Geschlechts von der Schulenburg (1237–1983), Wolfsburg 1984.
  16. Vgl. ebd.
  17. Vgl. ebd.
  18. Vgl. familienbiographische Angaben in genealogischen und familiengeschichtlichen Zusammenstellungen.

Literatur

  • von der Groeben, Wolfgang: Verzeichnis der Mitglieder des Corps Saxonia zu Göttingen 1844 bis 2006, Düsseldorf 2006.
  • Graf von der Schulenburg, Dietrich Werner / Wätjen, Hans: Geschichte des Geschlechts von der Schulenburg (1237–1983), Wolfsburg 1984.
  • Tagebuchaufzeichnungen Sigurd-Wilhelms von der Schulenburg, 1945, private bzw. familienarchivische Überlieferung.
Nach der Zerstörung der Burganlage von Angern im Dreißigjährigen Krieg im Sommer 1631 durch den Einfall des Holk'schen Regiments blieben offenbar wesentliche massive Baustrukturen erhalten, darunter das Erdgeschoss des Palas, der alte Turm mit mehreren Geschossebenen sowie die tonnengewölbten Räume im Bereich der Turminsel. Auf Grundlage dieser Restsubstanz entstand spätestens nach dem Rückerwerb des Besitzes 1680 ein schlichter Wohn- und Wirtschaftsbestand, der baulich und funktional zwischen ruinöser Burganlage und späterem barockem Schloss vermittelt. Die archivalisch überlieferte Anlage umfasste drei Hauptbestandteile: ein zweigeschossiges Haupthaus, ein einstöckiges Nebengebäude und den dazwischenstehenden Rest des alten Turms . Der Turm hatte seine ursprüngliche Wehrfunktion verloren, blieb jedoch als baulicher und räumlicher Bestandteil des Ensembles erhalten und enthielt weiterhin nutzbare Räume, darunter mindestens eine beheizbare Stube. Digitale Rekonstruktion des Wohnhauses auf mittelalterlicher Burgsubstanz mit erhaltenem Turmrest.
Im 14. Jahrhundert war die Altmark ein Raum konkurrierender Herrschaftsansprüche. Die Markgrafen von Brandenburg, das Erzstift Magdeburg sowie einflussreiche Adelsfamilien wie die von Alvensleben und von Grieben rangen um Besitzrechte, Lehnsbindungen und lokale Machtstellungen. Diese politische Konstellation führte zu einer Verdichtung von Befestigungsanlagen, die sowohl militärischen als auch administrativen Zwecken dienten. KI-generierte Rekonstruktion der Burg Angern um 1340 mit Hauptburg und Turminsel
Die Besitzgeschichte der Burg Angern ist ein exemplarisches Zeugnis für die Dynamik mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Herrschaftsverhältnisse im Erzstift Magdeburg. Ab dem 14. Jahrhundert lassen sich zahlreiche Wechsel der Lehnsträger, Verpfändungen und Erbteilungen nachweisen, die sowohl die politische Instabilität der Landesherrschaft als auch die wirtschaftlichen Interessen des Adels spiegeln. Besonders die Übernahme durch die Familie von der Schulenburg und deren interne Aufteilung des Besitzes dokumentieren eindrücklich die Auswirkungen des agnatischen Lehnrechts und der Pfandpraxis im spätmittelalterlichen Raum. KI Rekonstruktion Burg Angern um 1343 mit Palas und Wehrturm
Dieser Rundgang durch die Burg Angern um das Jahr 1340 basiert auf einer sorgfältigen Rekonstruktion historischer Quellen, archäologischer Befunde und baugeschichtlicher Analysen. Alle Szenen, Räume und Details wurden unter Berücksichtigung realer Gegebenheiten der mittelalterlichen Anlage entwickelt – etwa der erhaltenen Tonnengewölbe, der typischen Bauweise von Palas, Bergfried und Wirtschaftsflügeln sowie Hinweise aus Inventaren und schriftlichen Überlieferungen. Ziel ist es, nicht nur die äußere Gestalt, sondern auch die Atmosphäre und Lebenswelt einer spätmittelalterlichen Burg erlebbar zu machen – so nah wie möglich an der historischen Realität, doch mit erzählerischer Tiefe. Die Bilder zeigen fotorealistische Rekonstruktionen der Burg Angern um 1350. Sie basieren auf archäologischen Befunden, historischen Quellen und vergleichbarer Bausubstanz – realitätsnah umgesetzt mit KI-Technik.
Die Burg Angern als Niederungsburg des 14. Jahrhunderts in Norddeutschland. Die Burg Angern zählt zu den wenigen Niederungsburgen der norddeutschen Tiefebene, bei denen erhaltene Bausubstanz, topographische Situation und archivalische Überlieferung in ungewöhnlich enger Beziehung zueinander stehen. Die Anlage vereint militärische, wirtschaftliche und administrative Funktionen innerhalb eines funktional gegliederten Inselburgsystems und erlaubt dadurch eine differenzierte Rekonstruktion mittelalterlicher Herrschaftsorganisation im Raum der Altmark. Charakteristisch ist die Gliederung in Hauptburginsel, südlich vorgelagerte Turminsel und westliche Vorburg. Diese räumliche Differenzierung verweist auf ein planvoll entwickeltes Burgsystem, in dem Wohn-, Wehr-, Versorgungs- und Wirtschaftsfunktionen räumlich voneinander getrennt, zugleich jedoch funktional miteinander verbunden waren. Lageplan der Burganlage Angern mit Hauptburg, Turminsel und Vorburg (Rekonstruktion).
Die Vorburg der Burg Angern: Funktionsanalyse und historische Rekonstruktion unter der Annahme mittelalterlicher Vorgängermauern (ca. 1350). Die Vorburg der Burg Angern, wie sie auf einem barockzeitlichen Plan um 1760 dargestellt ist, weist eine markante rechteckige Struktur mit drei langgestreckten Wirtschaftsgebäuden und zwei freistehenden Bauten auf. Auf Grundlage architektonischer Analyse, funktionaler Einteilung sowie typologischer Vergleiche mit anderen mitteleuropäischen Burganlagen lässt sich begründet rekonstruieren, dass die barocken Gebäude auf der Struktur und dem Grundriss einer hochmittelalterlichen Vorburg basieren. Die folgenden Ausführungen widmen sich der Rekonstruktion dieser früheren Vorburg unter der Annahme eines Baubestandes aus der Zeit um 1350. Innenhof der Vorburg Angern mit Wirtschaftsgebäuden (KI-Rekonstruktion)
Die strategische Lage Angerns im Dreißigjährigen Krieg. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts war Angern Sitz eines ausgedehnten Lehngutes der Familie von der Schulenburg. Der Ort lag an der Grenze zwischen dem Kurfürstentum Brandenburg sowie den geistlichen Territorien Halberstadt und Magdeburg. Diese Grenzlage verlieh der Anlage eine besondere militärische Bedeutung. Die Burg war Teil eines befestigten Ensembles aus Hauptburg, Vorburg und Turminsel. In Zeiten konfessioneller Spannungen und ständig durchziehender Truppen entwickelte sich Angern zu einem strategisch sensiblen Punkt im regionalen Machtgefüge.
Dieses Essay unternimmt den Versuch, die Lebenswirklichkeit im Dorf Angern um das Jahr 1340 nachzuzeichnen – basierend auf überlieferten Urkunden, Inventaren, Dorfordnungen und vergleichenden Regionalanalysen. Es beleuchtet die sozialen Strukturen , das wirtschaftliche Leben , den Alltag der Bevölkerung , und stellt Angern in den Kontext vergleichbarer Dörfer mit ähnlicher Herrschafts- und Wirtschaftsform. Trotz der lückenhaften Quellenlage aus dem 14. Jahrhundert erlauben spätere Ordnungen und bauliche Spuren einen aufschlussreichen Rückblick auf eine Epoche, in der feudale Macht, religiöse Ordnung und agrarische Selbstversorgung das Leben der Menschen bestimmten. Alte Dorfstrasse von Angern im Mittelalter
Angern

Angern, Sachsen-Anhalt, Landkreis Börde. Heft 20, Berlin 2023 (ISBN: 978-3-910447-06-6).
Alexander Graf von der Schulenburg, Klaus-Henning von Krosigk, Sibylle Badstübner-Gröger.
Herausgeber: Deutsche Gesellschaft e.V.
Umfang: 36 Seiten, 59 Abbildungen.