Der historische Schlosspark von Angern mit seinen barocken Achsen, Lindenalleen und ehemaligen Spaliergärten bildet das grüne Gegenstück zur Architektur des Wasserschlosses und spiegelt in seiner Gestaltung die Ordnungsideale und Repräsentationsansprüche des 18. Jahrhunderts wider.
Der barocke Garten von Angern wurde Mitte des 18. Jahrhunderts unter der Leitung von Christoph Daniel von der Schulenburg angelegt und steht exemplarisch für eine Gartenkunst, die Repräsentation, Funktionalität und Ästhetik miteinander verband. Die Gestaltung folgt den Prinzipien barocker Symmetrie und axialer Ordnung: Gartenräume sind geometrisch gefasst, in Nutz- und Zierbereiche gegliedert und in ein übergeordnetes Kompositionssystem eingebettet. Die erhaltene Pro Memoria Christoph Daniels von 1745 liefert detaillierte Hinweise zur Anlage von Alleen, Irrgärten und Obstquartieren: "In der mittleren Allee sollen Kirschen auf Pyramiden gezogen, in der rechten Pflaumen, in der linken Birnbäume stehen." Gemeinsam mit historischen Plänen aus dem Landesarchiv Sachsen-Anhalt lässt sich so die ursprüngliche Struktur des Parks bis heute präzise nachvollziehen.

KI generierte Ansicht des Gartenparterres von Schloss Angern um 1750
Edo Graf v.d. Schulenburg (1816–1904) ließ vermutlich um 1850 die Umgestaltung des Parks im Stil eines englischen Landschaftsgartens beziehungsweise eines landschaftlichen Lustgartens mit Pleasureground veranlassen.
Helene von Schöning, die Gemahlin von Edo Graf von der Schulenburg und Tochter des preußischen Hofmarschalls Kurd Wolfgang von Schöning, dürfte maßgeblichen Einfluss auf die Gestaltung des Parks gehabt haben. Durch ihre Kindheit in der von Ludwig Persius entworfenen Villa Schöningen sowie ihre enge Verbindung zur Potsdamer Kulturlandschaft war sie mit den zeitgenössischen Ideen des preußischen Landschaftsgartens vertraut.
Als möglicher Entwerfer des Parks kommt der Gartenarchitekt Gustav Meyer (1816–1877) in Betracht, ein Schüler von Peter Joseph Lenné. Meyer arbeitete zeitgleich für die Familie von Schöning an der Umgestaltung des Gartens der Villa Schöningen in Potsdam und war zuvor an den Planungen für den Park Klein-Glienicke beteiligt.
Das Fächerbeet in Angern gehört zu den jüngsten Sanierungsprojekten des historischen Lustgartens mit Pleasureground und zeugt von der Wiederbelebung klassischer Gartenbaukunst. Im Rahmen der umfassenden Restaurierungsmaßnahmen des englischen Landschaftsparks begann 2022 die Rekonstruktion dieses Beets. Finanziert wurde das Projekt mit Unterstützung der "von Hickeldey Stiftung" sowie der "Stiftung Preußisches Kulturerbe".

Nach der Umgestaltung des Parks zum englischen Landschaftsgarten um die Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Anlage über mehrere Generationen weiter. Während die grundlegende Wegeführung, die Sichtachsen und die Einbindung der Wasserflächen erhalten blieben, veränderten neue Pflanzungen, gärtnerische Strömungen und spätere Nutzungen das Erscheinungsbild des Parks fortlaufend.
Die heutige Parkanlage vereint bis heute verschiedene historische Schichten – von älteren barocken Strukturen über die landschaftliche Umgestaltung des 19. Jahrhunderts bis hin zu den Veränderungen und Überformungen des 20. Jahrhunderts. Gerade diese vielschichtige Entwicklung macht den Park Angern zu einem bedeutenden Zeugnis historischer Kulturlandschaft in der Altmark.
Der Park Angern mit seinem historischen Wassergraben und den angrenzenden Landschaftselementen bildet ein vielfältiges Ökosystem, das zahlreichen Tierarten einen wertvollen Lebensraum bietet. Der Wassergraben mit seinen ruhigen Abschnitten, sandigen Böschungen, dichter Ufervegetation und klaren Wasserflächen ist das zentrale Element des Parks. Umgeben von offenen Wiesen, alten Bäumen und angrenzenden Waldflächen bietet der Park ideale Bedingungen für Wasserbewohner, Uferbewohner und Landtiere.
Die Flora des Parks Angern spielt eine wesentliche Rolle für das Gleichgewicht des Ökosystems. Sie bietet nicht nur Nahrung und Lebensraum für Tiere, sondern trägt auch zur Stabilisierung der Uferzonen, zur Verbesserung der Wasserqualität und zur Schaffung eines angenehmen Mikroklimas bei. Die vielfältigen Pflanzengemeinschaften machen den Park zu einem wertvollen und schützenswerten Naturraum.
Der von Christoph Daniel von der Schulenburg um 1745 angelegte Barockgarten in Angern spiegelt die Ordnungsideale seiner Zeit: Symmetrie, Achsbezüge und klare Raumgliederung prägen die Gestaltung. Die regelmäßigen Parterres, gerahmt von Hecken und Bosketten, folgten einem strengen Gestaltungsplan und dienten nicht nur der Zierde, sondern auch der Repräsentation. Der Garten war Ausdruck eines rationalen Naturverständnisses und stand damit in enger Verbindung zu Schulenburgs Bildungs- und Ordnungsbegriff.

KI generierte Luftaufnahme von Schloss und Garten in Angern um 1750