Edo Graf v.d. Schulenburg (1816–1904) ließ vermutlich um 1850 die Umgestaltung des Parks im Stil eines englischen Landschaftsgartens beziehungsweise eines landschaftlichen Lustgartens mit Pleasureground veranlassen.
Helene von Schöning, die Gemahlin von Edo Graf von der Schulenburg und Tochter des preußischen Hofmarschalls Kurd Wolfgang von Schöning, dürfte maßgeblichen Einfluss auf die Gestaltung des Parks gehabt haben. Durch ihre Kindheit in der von Ludwig Persius entworfenen Villa Schöningen sowie ihre enge Verbindung zur Potsdamer Kulturlandschaft war sie mit den zeitgenössischen Ideen des preußischen Landschaftsgartens vertraut.
Als möglicher Entwerfer des Parks kommt der Gartenarchitekt Gustav Meyer (1816–1877) in Betracht, ein Schüler von Peter Joseph Lenné. Meyer arbeitete zeitgleich für die Familie von Schöning an der Umgestaltung des Gartens der Villa Schöningen in Potsdam und war zuvor an den Planungen für den Park Klein-Glienicke beteiligt.
Entstehung des Landschaftsparks
Im Zentrum der Anlage liegt das um 1845 klassizistisch überformte Herrenhaus, das in dieser Zeit neoklassizistische Elemente erhielt. Von dort aus entwickelt sich fächerförmig das namensgebende Fächerbeet, das als gestalterischer Mittelpunkt die Achsen des Parks strukturiert.
Mit der Umgestaltung um 1850 vollzog sich zugleich der Übergang von einer älteren, stärker geometrisch geprägten Gartenordnung zu einem landschaftlichen Parkideal. Während barocke Gärten auf Symmetrie, klare Achsen und streng gefasste Räume ausgerichtet waren, suchte der englische Landschaftspark die Idealisierung einer natürlich wirkenden Landschaft.
Die Wegeführung ist weich geschwungen und folgt dem natürlichen Verlauf des Geländes. Die Wege münden in gezielt angelegte Sichtachsen, die auf markante Punkte, Baumgruppen, Wasserflächen oder landschaftliche Kulissen ausgerichtet sind. Solitärgehölze und Baumgruppen rahmen die Blickbeziehungen und schaffen fließende räumliche Übergänge. Im Wechselspiel von Licht und Schatten entstand so ein landschaftlicher Erlebnisraum, der Funktionalität und Ästhetik miteinander verband und dem zeitgenössischen Naturverständnis des 19. Jahrhunderts entsprach.
Wasserflächen und Sichtbeziehungen
Eine besondere Rolle spielte die Einbindung der historischen Wasserflächen in die Parkgestaltung. Die vorhandenen Gräben, Teiche und sogenannten Heller wurden nicht nur funktional genutzt, sondern gezielt in die landschaftliche Inszenierung eingebunden. Spiegelungen des Herrenhauses, geschwungene Uferlinien und Blickbeziehungen über das Wasser entsprachen den Gestaltungsprinzipien des englischen Landschaftsgartens.
Gerade die Verbindung von Schloss, Wassergraben, offenen Wiesenflächen und Gehölzgruppen verlieh dem Park seinen besonderen Charakter. Die Wasserflächen bildeten Übergänge zwischen Architektur und Landschaft und verstärkten zugleich die malerische Wirkung der Anlage.
Das Fächerbeet
Das Fächerbeet von 1845 bildete den repräsentativen Mittelpunkt der Anlage. Solche ornamental gestalteten Schmuckbeete dienten im 19. Jahrhundert nicht nur der botanischen Präsentation, sondern auch der Inszenierung von Status, Bildung und gärtnerischer Kunstfertigkeit. Die geometrische Form des Beets stellte zugleich einen bewussten Kontrast zur landschaftlichen Gestaltung des übrigen Parks dar.
Die seit 2022 laufende Sanierung des Parks verfolgt das Ziel, die ursprüngliche Gestaltungsabsicht wieder sichtbar zu machen. In einem ersten Schritt wurde das Fächerbeet rekonstruiert, gefördert durch die v. Hickeldey Stiftung sowie die Stiftung Preußisches Kulturerbe.
In einem zweiten Bauabschnitt ab September 2026 ist die weitere Rekonstruktion des historischen Landschaftsparks vorgesehen. Die Maßnahmen werden mit Mitteln des LEADER-Förderprogramms unterstützt und umfassen unter anderem die Wiederherstellung historischer Wegeführungen, Sichtachsen, Gehölzstrukturen und Wasserbezüge. Ziel ist es, die ursprüngliche räumliche Wirkung des Parks schrittweise wieder erfahrbar zu machen und die historische Kulturlandschaft langfristig zu sichern.

Das Fächer- beziehungsweise Teppichbeet wurde im Jahr 2025 rekonstruiert.
Rekonstruktion des historischen Plans
Originale Pläne des Parks oder des Fächerbeets haben sich leider nicht erhalten. Hinweise auf die historische Gestaltung liefern jedoch Messtischblätter des 19. Jahrhunderts sowie Fotografien aus den 1920er Jahren, auf denen Teile der Wegeführung und einzelne Baumgruppen noch erkennbar sind. Auf Grundlage dieser historischen Quellen rekonstruierte das Planungsbüro Christa Ringkamp unter Leitung von Dr. Klaus von Krosigk, der unter anderem die Restaurierung des Parks Klein-Glienicke in Potsdam leitete, den historischen Landschaftspark maßstabsgerecht.

Rekonstruktionsskizze des Parks um 1845 (Planung: Christa Ringkamp)

Historische Visualisierung des Parks um 1845 auf Grundlage der rekonstruierten Wege- und Gehölzstruktur
Potsdamer Einfluss
Die engen personellen und kulturellen Verbindungen zur Potsdamer Gartenkunst verleihen dem Park Angern eine besondere Bedeutung innerhalb der Gartenlandschaft der Altmark. Die mögliche Beteiligung von Gustav Meyer sowie die familiären Beziehungen zur Villa Schöningen lassen erkennen, dass sich Gestaltungsideen der Lenné-Schule bis nach Angern auswirkten.
Der Park steht damit nicht isoliert, sondern ist im Zusammenhang mit der preußischen Gartenkunst des 19. Jahrhunderts zu betrachten. Die Verbindung von klassizistisch überformtem Herrenhaus, Pleasureground, Sichtachsen, Wasserflächen und ausgewählten Solitärgehölzen entspricht einem Gestaltungsverständnis, das in Potsdam und Berlin besonders ausgeprägt war.
Historische Fotografien und Parkpartien
Im Gutsarchiv befindet sich ein Gartenbuch von 1838 – also aus der Zeit vor der Anlage des englischen Landschaftsparks –, das vor allem Rechnungen des Gärtners für Gemüse und Nutzpflanzen enthält (RepH Angern 356).
Die sogenannte „Partie am Schloss“ auf der folgenden historischen Aufnahme befindet sich nordöstlich des Wassergrabens und nicht unmittelbar hinter dem Herrenhaus. Sie vermittelt einen Eindruck von der einst kunstvoll gestalteten Parkpartie mit geschwungenen Wegen, Gehölzgruppen und offenen Wiesenflächen.

Auf der historischen Luftaufnahme, die vermutlich vor dem Zweiten Weltkrieg entstand, sind rechts die Terrassenanlagen und der Rosengarten gegenüber dem Schloss gut erkennbar. Sichtbar ist außerdem der geschwungene Weg, der bereits auf der oben dargestellten „Partie am Schloss“ erscheint.

KI colorierte Luftaufnahme um 1920

Historisch kolorierte Ansicht des Rosengartens mit Blick auf das Schloss