Nach der Umgestaltung des Parks zum englischen Landschaftsgarten um die Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Anlage über mehrere Generationen weiter. Während die grundlegende Wegeführung, die Sichtachsen und die Einbindung der Wasserflächen erhalten blieben, veränderten neue Pflanzungen, gärtnerische Strömungen und spätere Nutzungen das Erscheinungsbild des Parks fortlaufend.
Die heutige Parkanlage vereint bis heute verschiedene historische Schichten – von älteren barocken Strukturen über die landschaftliche Umgestaltung des 19. Jahrhunderts bis hin zu den Veränderungen und Überformungen des 20. Jahrhunderts. Gerade diese vielschichtige Entwicklung macht den Park Angern zu einem bedeutenden Zeugnis historischer Kulturlandschaft in der Altmark.
Dendrologische Erweiterung um 1900
Besonders zu Beginn des 20. Jahrhunderts erfuhr der Park eine dendrologische Erweiterung. Im Jahr 1911 lieferte die Gärtnerei J. H. Ehricke aus Harbke über 60 Bäume und Sträucher für die Anlage. Darunter befanden sich zahlreiche aus Nordamerika stammende Gehölze, die dem Park zusätzliche botanische Vielfalt und repräsentative Akzente verliehen.
Die Auswahl entsprach dem Zeitgeschmack der späten Landschaftsgärten des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, in denen fremdländische Solitärgehölze gezielt als botanische Besonderheiten und landschaftliche Blickpunkte eingesetzt wurden. Harbke galt seit dem 18. Jahrhundert als eines der bedeutendsten Zentren dendrologischer Gehölzkultur in Mitteldeutschland und war durch die sogenannte „Harbkesche Wilde Baumzucht“ weit über die Region hinaus bekannt.
Zu den 1911 gelieferten Pflanzen gehörten neben nordamerikanischen Arten auch asiatische und europäische Gehölze. Auch der heute noch vorhandene Ginkgo wird mit dieser Lieferung in Verbindung gebracht. Mehrere dieser Bäume prägen den Park bis heute und stellen wichtige Zeugnisse der historischen Parkgestaltung zu Beginn des 20. Jahrhunderts dar.
Mehrere der historischen Altbäume stellen heute lebende Zeugnisse der unterschiedlichen Entwicklungsphasen des Parks dar. Besonders markante Solitärgehölze prägen bis heute die historische Raumwirkung der Anlage und vermitteln einen Eindruck der ursprünglichen landschaftlichen Gestaltung.
Veränderungen nach 1945
Wie viele historische Gutsparks in Mitteldeutschland erlitt auch der Park Angern nach 1945 erhebliche Verluste. Vernachlässigung, bauliche Eingriffe und die veränderte Nutzung während der DDR-Zeit führten zum Verlust zahlreicher Sichtachsen, Wegeführungen und Gehölzstrukturen.
Im August 1966 übernahm die Meliorationsbau Magdeburg Schloss, Park und Wirtschaftshof zur Einrichtung einer Berufsschule für Meliorationsbau. Geplant war ein neuer Ausbildungskomplex für Lehrlinge und Erwachsene, während der historische Park weiterhin als sogenannter „Kulturpark“ öffentlich nutzbar bleiben sollte.
Die Gemeinde Angern setzte sich dafür ein, die Neubauten auf dem ehemaligen Wirtschaftshof zu errichten, um die historische Parkanlage zu schonen. Dieser Vorschlag konnte jedoch nicht durchgesetzt werden. Stattdessen entstand kurzfristig ein dreiflügeliger Flachbau auf der großen Wiesenfläche des Landschaftsparks.
Der historische Gesamteindruck des Parks wurde dadurch erheblich beeinträchtigt, auch wenn nach zeitgenössischen Berichten nur wenige wertvolle Altbäume gefällt wurden. Teile des Gehölzbestandes am sogenannten Grünen Weg mussten allerdings dem Bau von Garagen und einer Ausbildungshalle weichen.
Im Zuge der Bauarbeiten sollten zudem die sogenannten Heller teilweise verfüllt werden. Dabei entdeckte man eine Verbindung zum Schlossteich sowie eine in Vergessenheit geratene hölzerne Wasserleitung aus ausgehöhlten Baumstämmen, wodurch zumindest ein Teil der historischen Wasseranlagen erhalten blieb.
Der schwere Sturm von 1983 verursachte auch im Park erhebliche Schäden. Die siebenstämmige Linde verlor ihre Kronen und wurde mitsamt der Wurzel umgeworfen. Nach dem Wiederaufrichten wuchs sie jedoch weiter und erreicht heute erneut eine stattliche Höhe. Darüber hinaus wurden mehrere Eschen im östlichen Bereich des Parks entwurzelt.
Rekonstruktion und Sanierung seit 2022
Erst die seit 2022 laufenden Rekonstruktions- und Sanierungsmaßnahmen machen die ursprüngliche Gestaltung des Landschaftsparks wieder nachvollziehbar. Ziel ist es, die historischen Wegeführungen, Sichtachsen, Wasserbezüge und Pflanzstrukturen schrittweise wieder sichtbar zu machen.
In einem ersten Bauabschnitt wurde das historische Fächerbeet rekonstruiert. Die Maßnahmen wurden unter anderem durch die v. Hickeldey Stiftung sowie die Stiftung Preußisches Kulturerbe gefördert.
In einem zweiten Bauabschnitt ab September 2026 ist die weitere Rekonstruktion des historischen Landschaftsparks vorgesehen. Die Maßnahmen werden mit Mitteln des LEADER-Förderprogramms unterstützt und umfassen unter anderem die Wiederherstellung historischer Wegeführungen, Sichtachsen, Gehölzstrukturen und Wasserbezüge.
Der Park zählt zu den wenigen weitgehend erhaltenen historischen Landschaftsparks der Altmark, deren ursprüngliche Struktur anhand historischer Quellen noch nachvollziehbar rekonstruiert werden kann.
Neben seiner kulturhistorischen Bedeutung besitzt der Park heute auch einen hohen ökologischen Wert (siehe Flora im Park Angern und Lebensraum Park Angern). Alte Gehölzbestände, Wasserflächen und offene Wiesenbereiche bilden wichtige Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten.
Damit wird der Park Angern nicht nur als gärtnerisches Denkmal, sondern auch als Zeugnis der regionalen Adelskultur, der preußischen Gartenkunst und der Entwicklung historischer Kulturlandschaften in der Altmark neu erfahrbar.