Wasserschloss Angern
Das Wasserschloss Angern wurde 1736 im Auftrag von Christoph Daniel v.d. Schulenburg im Rokoko-Stil erbaut und 1843 klassizistisch umformt.

Friedrich Christoph Daniel Graf von der Schulenburg (* 10. Februar 1769 auf Angern; † 16. Mai 1821 in Magdeburg) ist Sohn des Alexander Friedrich Christoph Graf von der Schulenburg.

Ausbildung und Karriere

Friedrich Wilhelm Christoph Daniel erhielt seine Ausbildung an der Schule zu Kloster Berge bei Magdeburg und studierte von 1789 bis 1792 Rechts- und Staatswissenschaften an der Universität Halle. Nach dem Studium der Rechts- und Staatswissenschaften in Halle wurde er preußischer Verwaltungsbeamter und war seit 1793 Landrat des zweiten Holzkreises im Herzogtum Magdeburg, das zu Preußen gehörte.

Friedrich Christoph Daniel Graf von der Schulenburg
Abb. 1: Friedrich Christoph Daniel Graf von der Schulenburg.
Porträt, Schloss Angern.
Auguste Luise Adolfine von Cramm
Abb. 2: Auguste Luise Adolfine von Cramm.
Porträt, Schloss Angern.

1801 nahm er den Abschied, um Angern zu bewirtschaften, das sich in schlechtem Zustand befand.

Ganz besonders suchte er künftigen Streitigkeiten bei der Vererbung des Majorats vorzubeugen, da Christoph Daniel von der Schulenburg, der Gründer des Majorats, die Fideikommissmasse nicht näher bestimmt hatte, so dass Lehen und Allod schwer zu trennen waren. Er half diesem Mangel dadurch ab, dass er unter Beitritt seiner Brüder und sämtlicher Lehnsvettern den Zustand des Majorats, wie er es übernommen hatte, feststellte und darüber ein vollständiges Inventarium aufnahm.

1804 trat er als Kriegs- und Domänenrat bei der Kammer in Magdeburg ein. Im gleichen Jahr wurde er Kammerdirektor in Warschau und verpachtete seine Güter. Nach dem Feldzug von 1806, der die gesamte Preußische Verwaltung in Süd- und Neu-Ostpreußen aufhob, begab er sich nach Angern. Im Winter 18121813 hielt er sich in Berlin auf. Nach Angern zurückgekehrt, leitete er trotz der Nähe der Franzosen die Organisation der Landwehr in der Altmark mit solcher Hingabe, dass ihm das Eiserne Kreuz am weißen Bande verliehen wurde.

Nicht lange hielt es ihn auf der ererbten Scholle. Nach Ordnung dieser Familienangelegenheiten trat er 1804 als Kriegs- und Domänenrat bei der Kammer in Magdeburg ein. Noch im selben Jahr verpachtete er seine Güter und wurde Kammerdirektor in dem damals zu Preußen gehörenden Warschau, wo er bis zu der Katastrophe von 1806 verblieb.

Nach dem Feldzug von 1806, der die gesamte preußische Verwaltung in Süd- und Neuostpreußen aufhob, begab er sich nach Angern zurück. Tief bekümmert über die Trennung von seinem angestammten König, schöpfte er Mut aus der Hoffnung besserer Zeiten.

Friedrich Christoph Daniel war einer der wenigen Gutsbesitzer, die es verstanden, sich den Diensten des Königreichs Westfalen zu entziehen. Er lehnte entschieden verschiedene Aufforderungen zum Eintritt in den Westfälischen Staatsdienst ab, trat aber in eine Kommission zur Regelung der Besitzverhältnisse der Domänen zwischen Preußen und Westfalen ein. Dabei wies er entschieden die ihm dafür von Westfalen bestimmte Belohnung zurück.

Im Winter 1812–1813 hielt er sich in Berlin auf und erkannte, als er die traurigen Überreste des französischen Heeres einziehen sah, dass die Stunde der Befreiung geschlagen hatte. Nach Angern zurückgekehrt, leitete er 1813 die Organisation der Landwehr zum Befreiungskampf in der Altmark. Dafür wurde er mit dem Eisernen Kreuz am weißen Bande ausgezeichnet. Zudem war Friedrich Wilhelm Christoph Daniel auch Ritter des Johanniterordens.

Nach dem Friedensschluss wurde er 1816 während der Organisation der preußischen Behörden Chef-Präsident der Regierung zu Magdeburg und starb in dieser Stellung 1821 im Alter von nur 52 Jahren. Sein Holzsarg ist in der Familiengruft in der Kirche Angern bestattet. Nach seinem Tod wurde das Gut Angern zunächst von einem Vormund verwaltet, da sein Sohn Edo erst fünf Jahre alt war.

Leistungen

Während der Befreiungskriege gegen Napoleon leitete er die Organisation der Landwehr der Altmark. Nach Einrichtung der preußischen Regierung zu Magdeburg im Jahre 1816 wurde Schulenburg bis zu seinem Tode deren Chefpräsident. Dies deutet auf das unklare Verhältnis von Ober- und Regierungspräsident am Sitz der Regierung in der Provinzialhauptstadt hin, wo es mit Friedrich von Bülow einen Oberpräsidenten gab, der ebenfalls als Regierungspräsident tätig war. Für seine Verdienste wurde ihm das Eiserne Kreuz am weißen Bande verliehen.

Der neue Majoratsherr hatte sich mit Thaers Schriften innig befreundet und betrieb die Landwirtschaft nach dessen neuen Methoden. Er hob den Ertrag bedeutend, veranlasste eine Separation des Gutes und der Gemeinde, ordnete durch Verträge die Dienstverhältnisse der Untertanen und nahm ein vollständiges Inventarium auf. Besonders war er bestrebt, künftigen Streitigkeiten bei der Vererbung des Majorats vorzubeugen, da Christoph Daniel, dessen Gründer, die Fideikommisse nicht näher bestimmt hatte.

Ehe

Er war zweimal verheiratet. Seine erste Ehefrau, Henriette von Rohtt zu Holzschwang (* 23.05.1778 zu Kockte, † 09.04.1811) verstarb 1811. Aus erster Ehe hatte er zwei Töchter, von denen eine jung starb, die andere heiratete. Ihr Mann hat ihr im Park Angern einen Gedenkstein gewidmet. Ihr Holzsarg ist in der Familiengruft in der Kirche Angern bestattet.

In der Familiengruft der Kirche Angern befindet sich ein weiterer kleiner Holzsarg mit der ungewöhnlich langen Namensinschrift „Paul August Carol Edila Ulricke Mathilde Gr. v.d. Schulenburg“, geboren am 13. November 1807 und verstorben am 6. Juni 1808. Es handelt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um die jung verstorbene Tochter von Friedrich Christoph Daniel und seiner ersten Ehefrau Henriette von Rohtt. Die Kombination männlicher und weiblicher Vornamen war in adligen Familien jener Zeit nicht ungewöhnlich, insbesondere bei früh verstorbenen Kindern, deren Namensgebung oft mehrere familiäre Bezugspersonen vereinte. Da aus der Ehe zwei Töchter überliefert sind – von denen eine jung starb –, liegt es nahe, dass dieser Sarg das letzte Zeugnis eben jenes Kindes ist. Die räumliche Nähe zum Sarg der Mutter sowie das Fehlen weiterer kindlicher Bestattungen aus dieser Generation stützen diese Annahme.

1812 heiratete er Auguste Luise Adolfine von Cramm. Aus dieser Ehe ging eine Tochter und sein Sohn Edo Friedrich Christoph Daniel (* 1816; † 1904) hervor, mit dem die Geschichte des Hauses Angern fortgesetzt wurde. Gemäß der Dorfchronik von Angern und Wenddorf (Wilhelm Lühe) stellte die spätere Generalin von Flotow, verwitwete Gräfin Schulenburg (geb. von Cramm), 1827 ein Armenkapital von 100 Talern bereit. Frau von Rohr, verwitwete Majorin (†1847), hinterließ ein Legat von 200 Talern für die Bedürftigen in Angern, insbesondere in Not geratenen Kranken und Hinterbliebenen. 1868 stiftete General von Flotow nochmals 100 Taler mit dem ausdrücklichen Wunsch, damit arme Wöchnerinnen und Witwen zu unterstützen.

Brüder

Von seinen beiden Brüdern trat der ältere, Alexander, gleich ihm nach dem Studium in Halle in den preußischen Verwaltungsdienst und brachte es bis zum Geheimen Oberrechnungsrat, ging aber 1822 als Direktor zur Haupt-Ritterschaft der Kur- und Neumark (bis 1836). Durch seine Heirat mit Charlotte von Jagow kam er in den Besitz des Gutes Lenzerwische in der Westprignitz. Da aber sein einziger Sohn vor ihm starb, fiel das Gut an die beiden ihn überlebenden Töchter Luise Charlotte Karoline von Frankenberg und Ludwigsdorf und Ottilie Albertine Eleonore Juliane Gräfin von Schlippenbach und ging an das letztgenannte Geschlecht über.

Der jüngste Bruder, Joseph Ferdinand Adolf Achaz, (1776-1831) wurde 1791 Standartenjunker im preußischen Kürassierregiment von Ihlow in Salzwedel (seit 1792 von Borstell) und 1794 Secondeleutnant in diesem Regiment.

In jedem Jahrhundert erlebt die Familie von der Schulenburg und das Haus in Angern bedeutende Veränderungen, doch sie lassen sich nie entmutigen – immer wieder gelingt ein entschlossener Neuanfang gemäß dem Leitsatz "Halte fest was Dir vertraut". Bis 11. Jahrhundert , 12. Jahrhundert , 13. Jahrhundert , 14. Jahrhundert , 15. Jahrhundert , 16. Jahrhundert , 17. Jahrhundert , 18. Jahrhundert , 19. Jahrhundert , 20. Jahrhundert , 21. Jahrhundert .
Schloss Angern – Baugeschichte, Raumbild und kultureller Wandel zwischen Mittelalter, Barock und Klassizismus. Die Geschichte von Schloss Angern in der Altmark ist ein exemplarisches Zeugnis adeliger Bau- und Lebensformen im Wandel der Jahrhunderte. Als aus einer hochmittelalterlichen Wasserburg hervorgegangenes Gutsschloss vereint die Anlage bauliche Schichten aus drei Epochen: der Gründungsphase um 1340, dem barocken Ausbau unter Generalleutnant Christoph Daniel von der Schulenburg ab 1738 und der klassizistischen Umformung durch Edo Graf von der Schulenburg um 1843. Die erhaltene Raumstruktur mit Hauptinsel, Turminsel und Vorburg, die Integration mittelalterlicher Gewölbe, die klar gegliederte barocke Raumordnung und die klassizistische Repräsentationskultur des 19. Jahrhunderts machen Schloss Angern zu einem einzigartigen Zeugnis ländlicher Adelskultur in Mitteldeutschland. Die Architektur erzählt von militärischer Funktion, gutsherrlicher Selbstvergewisserung und bürgerlich-rationaler Modernisierung – ein Ensemble, das in seiner Vielschichtigkeit die Transformationsprozesse adliger Repräsentation zwischen Spätmittelalter und Moderne sichtbar macht.
Die Nutzung des ab 1738 neu errichteten Herrenhauses in Angern unter General Christoph Daniel von der Schulenburg lässt sich im Kontext des mitteldeutschen Landadels als exemplarisch für den funktionalen und repräsentativen Anspruch barocker Gutshausarchitektur einordnen. Analog zu anderen Adelsresidenzen dieser Zeit gliederte sich das Nutzungsschema in Wohnfunktion , administrative Nutzung , Repräsentation , Sammlungstätigkeit und symbolisch-dynastische Verankerung . Der Rundgang durch das Schloss Angern um 1750 zeigt eindrücklich, wie dieses Haus weit über seine unmittelbaren Wohn- und Verwaltungsfunktionen hinaus als architektonischer Ausdruck adeliger Identität diente. Die Räume fungierten als Träger von Macht, Bildung, Status und genealogischer Erinnerung – sorgfältig gegliedert in öffentliches Auftreten, persönliche Rückzugsräume und repräsentative Ordnung. Der Raum links neben dem Gartensaal um 1750
Die bauliche Umgestaltung des Herrenhauses in Angern in den Jahren um 1843 markiert einen tiefgreifenden Wandel in der Nutzung und Raumordnung des Hauses. Unter den Nachfahren des Generals Christoph Daniel von der Schulenburg wurde das barocke Erscheinungsbild durch klassizistische Elemente überformt, die sich sowohl in der Fassadengestaltung als auch in der Raumgliederung widerspiegeln.Es dominierte eine hell verputzte Fassade und eine vereinfachte Tür- und Fensterrahmung. Diese Elemente spiegeln die Orientierung am Ideal der "edlen Einfachheit" wider, wie sie seit Winckelmann als Leitbild klassizistischer Baukunst galt. Dieser Umbau ist im Kontext der Adelsgeschichte des 19. Jahrhunderts als Ausdruck einer funktionalen Anpassung und bürgerlich geprägten Repräsentationskultur zu verstehen. Der Raum links neben dem Gartensaal Anfang des 20. Jahrhunderts (KI coloriert)
Vom höfischen Tableau zur rationalisierten Wohnwelt: Die Wohn- und Funktionsräume des Schlosses Angern spiegeln in exemplarischer Weise den sozialen und kulturellen Wandel des Adels im langen 18. Jahrhundert wider. Zwischen dem Rokoko-inspirierten Repräsentationskonzept unter General Christoph Daniel von der Schulenburg (†1763), der verwaltungstechnisch durchrationalisierten Ordnung unter Friedrich Christoph Daniel (†1821) und dem klassizistischen Umbau unter Edo von der Schulenburg (ab 1841) lassen sich klare strukturelle und ästhetische Entwicklungslinien feststellen. Die verfügbaren Inventare von 1752 (Rep. H 76) und 1821 (Rep. H 79) sowie die bau- und kulturgeschichtliche Beschreibung um 1845 erlauben eine vergleichende Analyse der sich wandelnden Raumfunktionen.
Ein Bau im Schatten der Mängel: Der Schlossneubau in Angern 1737–1739 als Spiegel barocker Baupraxis: Der barocke Neubau des Schlosses Angern in den Jahren 1737 bis 1739 stellt ein instruktives Beispiel für die Spannungsfelder adeliger Repräsentation, wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit und administrativer Kontrolle im 18. Jahrhundert dar. Die erhaltenen Berichte von Oberamtmann Croon an Christoph Daniel von der Schulenburg (Rep. H Angern Nr. 336) erlauben eine detailreiche Rekonstruktion des Baugeschehens, die sowohl Planungs- und Ausführungsmängel als auch die sozialen und strukturellen Rahmenbedingungen offenlegen.
Im Zuge der stockenden Bauarbeiten am Schloss Angern im Herbst 1737 zeichnete sich ein wachsender Finanzierungsbedarf ab, den Christoph Daniel Freiherr von der Schulenburg nicht ausschließlich aus eigenen Rücklagen decken konnte. In einem Schreiben vom 16. Oktober 1737 (Gutsarchiv Angern, Rep. H Angern Nr. 412, Nr. 2) ersuchte sein Verwalter Croon den Bauherrn um die Zuweisung von weiteren 100 Louis d’or, um ausstehende Zahlungen an Handwerker zu begleichen und Materialvorräte für den Frühjahrsbeginn 1738 anzulegen.
Inszenierte Herrschaft im Interieur – Die Ausstattung des Schlosses Angern im Spiegel des Inventars von 1752. Die Ausstattung adeliger Wohnsitze im 18. Jahrhundert war mehr als nur funktionale Möblierung: Sie diente der Repräsentation, der sozialen Codierung und der performativen Inszenierung von Herrschaft, Bildung und weltläufigem Geschmack. Das Inventar des Schlosses Angern aus dem Jahr 1752 (Gutsarchiv Angern, Rep. H 76) erlaubt einen selten detaillierten Blick in die Wohnkultur eines preußisch-altmärkischen Adligen der Barockzeit. Christoph Daniel von der Schulenburg, General der Infanterie im Dienste des Königs von Sardinien, hatte das Schloss wenige Jahre zuvor als Teil einer umfassenden Besitz- und Herrschaftskonsolidierung neu errichten und vollständig ausstatten lassen. Die analysierten Einrichtungsgegenstände, Textilien, Dekorationselemente und Supraporten spiegeln nicht nur die internationale Herkunft des Besitzers, sondern auch seine Ambition, in Angern ein stilistisch kohärentes und symbolisch aufgeladenes Herrschaftszentrum zu etablieren.
Angern

Angern, Sachsen-Anhalt, Landkreis Börde. Heft 20, Berlin 2023 (ISBN: 978-3-910447-06-6).
Alexander Graf von der Schulenburg, Klaus-Henning von Krosigk, Sibylle Badstübner-Gröger.
Herausgeber: Deutsche Gesellschaft e.V.
Umfang: 36 Seiten, 59 Abbildungen.